Lebensmittel in Bio-Qualität bekommt man mittlerweile in jedem Supermarkt und Discounter, das Angebot reicht von Brot über Müsli und andere verarbeitete Produkte bis zu frischem Obst und Gemüse. Aber ist Bio wirklich gleich Bio oder fährst du besser mit der Ware aus Reformhaus und Bioladen? Tatsächlich gibt es unterschiedliche Richtlinien, je nach Biosiegel auf den Lebensmitteln, unterschieden wird hier vor allem zwischen der EU-Öko Verordnung, welchen die Mindestanforderungen für biologische Erzeugnisse vorschreibt und den unterschiedlichen Bioverbänden, welche den zugehörigen Erzeugern zusätzliche Anforderungen auferlegen um ihr Siegel nutzen zu dürfen.

Ziele der ökologischen Landwirtschaft sind u.a.

  • Umwelt- und Klimaschutz
  • Grundwasserschutz
  • Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit
  • Erhaltung/ Förderung der biologischen Artenvielfalt (Pflanzen+Tiere)
  • Beitrag zu einer giftfreieren Umwelt

Der Einsatz von chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel (Pestizide) ist in der ökologischen Landwirtschaft genauso verboten, wie die Züchtung von genmanipulierten Sorten. Stattdessen wird zum Pflanzenschutz auf Nützlinge gesetzt. Dazu werden am Rand der Äcker sogenannte Blühstreifen und auch Hecken gepflanzt um Insekten und Schleichtieren Lebensräume zu schaffen. Diese angesiedelten Nützlinge wiederum fressen die Pflanzenschädlinge und sorgen so dafür, dass sich diese nicht ansiedeln und vermehren können. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, darf der Bauer zu natürlichen Mitteln wie z.B. Knoblauchsud oder Kupfer greifen. Welche Mittel erlaubt sind ist in einer EU Verordnung festgehalten: Welche Schutzmittel sind im Ökolandbau erlaubt ?

In verarbeitete Bioprodukte müssen übrigens mind. 95% der Inhaltsstoffe einen biologischen Ursprung haben. Die übrigen 5% dürfen nur dann aus konventionellem Anbau stammen, wenn es diese Zutat nicht in Bioqualität gibt und dieser zugelassen ist. Aktuell gibt es 30 Ausnahmen, welche aus konventionellem Anbau stammen dürfen, aber 2024 werden es nur noch sieben Ausnahmen sein.

Mehr zur aktuellen Öko-Verordnung und den gesetzmäßigen Bedingungen für Biolebensmittel findest hier: www.allesueberbio.de

Wenn du auf Gesetzestexte stehst, dann kannst du dir hier die aktuelle Verordnung reinziehen: gesetzliche Vorgaben für Biolebensmittel

All das ist aber nur das Mindestmaß zur Erfüllung der Ziele ökologischer Landwirtschaft. Viele Verbände haben für sich und die zugehörigen Erzeuger noch einige Schippen an Auflagen draufgepackt um die Umwelt durch die Erzeugung unserer Nahrung nicht weiter zu Schaden, als wir es ohnehin schon tun. Im Folgenden habe ich dir eine Grafik erstellt, welche dir einen Vergleich der EU-Öko Verordnung und den 3 am weitesten verbreiteten Verbänden ermöglicht.

Biosiegel Standards im Vergleich


Der Umstieg von konventionellem Landbau auf ökologischen ist übrigens für jeden Landwirt möglich! So eine Umstellung ist natürlich zunächst mit viel Umstrukturierung und Dazulernen verbunden und nimmt auch etwas Zeit in Anspruch, aber auch das Land des Bauern wird es ihm langfristig danken. Die Umstellungszeit wird mit ca 3 Jahren veranschlagt, es muss sich aber bereits ab Antragsstellung an alle Richtlinien gehalten werden. Diese Zeit ist vor allem für die Erholung der Böden wichtig. Nach etwa 12 Monaten darf der Landwirt seine Erzeugnisse als „Umstellungsware“ auf den Markt bringen und kann somit die ersten Einnahmen aus seiner Umstellung erwirtschaften.


Wie bereits eingangs erwähnt bekommt man Biolebensmittel mittlerweile sogar im Discounter, auch wenn Obst und Gemüse leider viel zu häufig in Plastik verpackt ist, aber das ist ein anderes Thema. Schön zu sehen ist allerdings, dass vor allem große Supermärkte wie beispielsweise Edeka, Rewe oder auch Lidl immer mehr Bioprodukte als lose Ware anbieten und bei der Unterscheidung der Lebensmittel auf Laserbranding oder Aufkleber setzen. Wer hingegen Bio kaufen aber auf keinen Fall noch mehr Plastikmüll produzieren will, der ist in einem Bioladen oder direkt beim Erzeuger besser aufgehoben.

Nun konntest du dir denke ich einen ganz guten Überblick über den Ökolandbau von pflanzlichen Nahrungsmitteln machen. Ich glaube ich brauche nicht zu erklären, dass ich nichts über tierische Produkte aus biologischer Erzeugung erwähnt habe, oder?

Wie sieht das nun im Alltag aus?

Leider sind biologisch erzeugte Lebensmittel in der Regel etwas teurer als konventionelle Lebensmittel, dies gilt vor allem für Obst und Gemüse. Der Trick ist hier auf saisonale und regionale Erzeugnisse zu setzen, d.h. keine Erdbeeren im Winter kaufen, aber dafür Kohlgemüse. Frische Beeren und Melone im Sommer und Äpfel und Orangen im Winter.

dirty dozen Lebensmittel mit hoher Verschmutzung

Bei frischen Lebensmitteln aus konventionellem Anbau hat der regionale Faktor sogar einen weiteren Vorteil, denn diese Produkte sind oftmals auch weniger mit Pestiziden belastet. Für lange Transportwege z.B. aus Afrika oder Südamerika werden Obst und Gemüse oft zusätzlich mit synthetischen mitteln behandelt, damit diese nicht anfangen zu faulen, dies betrifft vor allem Sorten ohne feste Schale wie Trauben oder Tomaten. Basierend auf US Studien wurde deshalb sogar das sogenannte „dirty dozen“ zu Deutsch „schmutzige Dutzend“ festgelegt. Diese Liste beinhaltet die 12 am meisten mit giftigen Stoffen belasteten Lebensmittel aus dem konventionellen Anbau. Auch wenn die Daten, welche zu dieser Liste beigetragen haben aus den USA stammen, lassen Sie sich jedoch durch den weltweiten Handel von frischen Erzeugnissen auch bei uns anwenden.

Wie handhabe ich das Thema ?

Ich persönlich bevorzuge Obst und Gemüse auf biologischem Anbau und achte außerdem darauf, dass ich möglichst saisonale Sorten verzehre. Zusätzlich schaue ich immer auch auf die Regionalität um die Landwirtschaft vor Ort zu schützen. Tatsächlich kommt es dadurch auch vor, dass ich mal keine Äpfel kaufe, weil beispielsweise nur welche aus Neuseeland angeboten werden. Ich finde es bei Lebensmitteln, welche auch bei mir vor der Haustür wachsen können unnötig diese vom anderen Ende der Welt einzuschiffen oder einzufliegen.

Um die ökologische Landwirtschaft bei mir vor Ort zusätzlich zu unterstützen habe ich mich Anfang 2020 einer Solawi angeschlossen. Mitglieder von solidarische Landwirtschaftsgemeinschaften sichern durch einen monatlichen fixen Beitrag außerdem die Preisstabilität der Erzeugnisse, da die Landwirte der Solawi weniger Verluste der Ernte durch regelmäßige Abnehmer von Ernteanteilen haben.

Ich greife aber auch zu Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau, meistens dann, wenn die Qualität der Bioprodukte ungenügend ist (schrumpelige Paprika und labberige Gurke) und ich dieses Produkt aber gerne konsumieren oder wenn der Preis mir zu hoch vorkommt. Ich persönlich finde das Preisargument übrigens nur bedingt legitim, denn es geht dabei nicht nur um den Kilopreis der Tomaten in diesem Moment, sondern um die Gesamtkosten (Umwelt, Gesundheit etc). Und sei mal ehrlich, wie oft gibst du im Monat Geld für „unnötigen Scheiß“ aus? Ich früher regelmäßig! Manchmal auch heute noch…. Spar dir Impulskäufe und investiere lieber in hochwertige Lebensmittel. Wenn ich dann mit meinen „unökologischen“ Weintrauben zuhause ankomme, gönne ich ihnen allerdings immer ein kleines Bad in Wasser mit Natron und Essig zugesetzt. Diese Kombi wäscht einen Großteil der Pestizide ab.

Falls du nun nicht sicher bist, was du mit diesen ganzen Informationen anfangen sollst möchte ich dir gerne mitgeben: DU KANNST NICHTS FALSCH MACHEN. Hauptsache ist, du isst dein Grünzeug.

Jeder kann und darf seinen Maßstab selber setzen und abwägen, was ihm wichtig ist. Jedoch sollten wir nicht vergessen, was die Möglichkeit frei entscheiden zu können eben auch eine gewisse Verantwortung mit sich bringt. Das gilt für die Entscheidung was wir konsumieren genauso wie für die Wahl der Herkunft unserer Lebensmittel.

Ich denke nur ausreichend informiert, kann man die für sich richtige Entscheidung treffen und hoffe mein Beitrag kann dazu beigetragen. Ich freue mich über dein Feedback und deine Meinung zum Thema Biolebensmittel.

Liebe geht raus <3

close

Sichere dir jetzt dein gratis Rezeptheft!

ABONNIERE MEINEN NEWSLETTER UND ERHALTE SOFORT DEIN EXEMPLAR

Du bekommst außerdem 1x im Monat meinen Newsletter voller wertvoller Tipps & News.

Ich sende dir keinen Spam !

close

Bleib informiert!

1x Monat erreicht dich mein persönlich verfasster Newsletter mit wertvollen Tipps & News